Sprache der Kritik – Kritik der Sprache? (II)

Workshop zu Adornos und Benjamins Überlegungen zur Sprache

Am 23. bis 24. Juli 2016 an der Universität Hamburg, jeweils Allende-Platz 1, 10 Uhr.

Das Nachdenken über Sprache bleibt in der Tradition kritischer Theorie umstritten. Für manche dieser Theoretiker markiert dies einen Bruch in der Tradition: Entweder eine solche Theorie sei sprachphilosophisch reflektiert oder sie könne nicht ihren normativen Maßstab ausweisen, werde so problematisch. Teile der Tradition kritischer Theorie wurden und werden so als traditionelle Theorie „entlarvt“. Ebenso findet man aber auch die entgegensetzte Position in diesem zerstrittenen Traditionszusammenhang: Wer sich so stark mit Sprache beschäftige, der entferne sich von den „eigentlichen“ Aufgaben kritischer Theorie, habe sich schon zu stark auf „gegnerische“ Theorien eingelassen, behaupte allen Ernstes, die Welt sei nichts als ein Text und so weiter.

Gegenstand des Workshops wird daher eine Rekonstruktion kritischer Theorie sein, die solche Positionierungen nicht teilt, sich vielmehr durch diese Extreme bewegt. Es soll in dem Workshop um Jan Müllers „Begriffliches Sprechen“ gehen, der eine Relektüre der sprachphilosophischen Überlegungen Benjamins und Adornos anbietet. „Sprache der Kritik – Kritik der Sprache? (II)“ weiterlesen

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Was tritt hinzu? Wieso kritische Theorie (auch) über Sprache nachdenkt.

Vortrag mit Jan Müller am Freitag, den 22. Juli 2017, Allende-Platz 1, 20146 Hamburg, Raum 104, ab 19:00 Uhr.

Adornos Behauptung ist provozierend, dass „Philosophie, die nicht Sprachphilosophie ist, heute eigentlich gar nicht vorgestellt werden kann“. Sie klingt so, als müsse man erst einigermaßen akademisch und abstrakt, nämlich grundsätzlich und formal über Sprache nachdenken, bevor man sich überhaupt an eine kritische Theorie der Gesellschaft wagen dürfe.

Adornos Kritik am begrifflichen Denken, diese berüchtigte „Dialektik“ der Vernunft, legt so einen Verdacht nahe. Manchmal wird der Verdacht ausgeräumt, indem man seine Kritik so versteht: Begriffe legten sich wie ein Korsett über die Sachen, die sie zu begreifen behaupteten; tatsächlich schnitten sie durch ihren Fokus aber immer etwas von der Sache ab. „Kritik“, so meint man dann, bestünde darin, diesem „abgeschnittenen Rest“ wieder zu seinem Recht zu verhelfen – indem man darauf achtete, was als Erfahrung des Leidens zum Denken „hinzutritt“ oder was als „Nichtidentisches“ zum Beispiel in der Erfahrung von Kunst erscheine. „Was tritt hinzu? Wieso kritische Theorie (auch) über Sprache nachdenkt.“ weiterlesen

Kritische Theorie – Kolloquium in Hamburg: jeden ersten Sonntag im Monat

Das Kritische Theorie – Kolloquium Hamburg hat sich Anfang März 2016 konstituiert und trifft sich nun jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Bis auf Weiteres tagen wir im ‚Pferdestall‘, Allende-Platz 1, auf dem Universitätscampus.

Weitere Interessenten sind gern eingeladen sich unter gesellschaftnachtraeglichkeit@gmail.com zu melden und Näheres zu erfahren.

Kolloquium für kritische Theorie in Hamburg

Liebe Freundinnen und Freunde kritischer Theorie,

durch die theoriepolitische Lage an den Universitäten und in der Publizistik sind alle, die an kritischer Theorie arbeiten, mehr oder weniger vereinzelt. Dagegen setzen wir – ein paar Personen in derselben Lage – die Gründung eines Kritische-Theorie-Kolloquiums in Hamburg. Wir wollen uns monatlich treffen, um uns gegenseitig unsere Projekte – seien es Qualifikationsarbeiten, Aufsätze oder Artikel – vorzustellen und gemeinsam nachzudenken. Wir hoffen, durch (solidarische) Kritik an unseren Exposés, Entwürfen oder Textruinen Feedback zu bekommen und so unsere Versuche gegenseitig zu stützen, die als offene immer prekär sind. „Kolloquium für kritische Theorie in Hamburg“ weiterlesen

Sprache der Kritik – Kritik der Sprache? Zur Sprachphilosophie der kritischen Theorie

Workshop am 7. und 8. November an der Universität Hamburg

„Philosophie, die nicht Sprachphilosophie ist, kann heute eigentlich überhaupt gar nicht vorgestellt werden.“ (Theodor W. Adorno)

In kritischer Theorie ist der Begriff der Sprache umstritten. Das, was unter dem „linguistic turn“ kritischer Theorie nach Habermas verstanden wird, gilt als eine Aufgabe kritischer Theorie: Während die einen es als Herausforderung begreifen, sich um die Sprachlichkeit kritischer Theorie zu bemühen und eine Arbeit am Begriff der Sprache zu vollziehen, sprechen andere davon, dass mit dieser Hinwendung zu „sprachlichen“ Problemlagen die Form kritischer Theorie aufgegeben werde.

Es scheint, als ob das Sprechen über Sprache einem schöngeistigen Eskapismus gleichkäme: Statt über die „eigentlichen“ Gegenstände Urteile zu fällen, um die Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse zu erstreiten, beschäftige man sich bloß mit dem Sprechen selbst. Allerdings kehrt in vielen Auseinandersetzungen mit diesen vermeintlich „eigentlichen“ Gegenständen das Problem der Sprache wieder, auch oder gerade in den unterschiedlichsten Aneignungen kritischer Theorie:

Sitzt man der Illusion einer gerechten Sprache auf, wenn Unterstriche oder generell eine gendersensible Sprache gefordert werden? Welche Wirkung hat Hate speech, ist sie bloß die Wiederholung bestehender Verhältnisse? Bedarf es der „Gewalt“ der Sprache, um gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern? Gibt es Widersprüche, die vor oder jenseits der Sprache bestehen? Wer von sich behauptet, kritische Theorie zu betreiben, dürfte in Bezug auf die Sprache oder das Sprechen mit einigen Problemen konfrontiert sein. „Sprache der Kritik – Kritik der Sprache? Zur Sprachphilosophie der kritischen Theorie“ weiterlesen

Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit, gegründet Dezember 2014

Die Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit weiß darum, dass die Praxis der Theorie immer zu spät kommt. Deshalb belehrt sie nicht darüber, wie die Welt sein soll, sondern versucht zu begreifen, wie sie so geworden ist. Die Gesellschaft befasst sich mit der Durcharbeitung, Traditionalisierung und Aktualisierung kritischer Gesellschaftstheorie, ohne dabei an ein Programm oder eine Schule gebunden zu sein.

Die Gesellschaft organisiert Vorträge, Workshops und andere Zusammenkünfte, bei denen wesentliche Momente der Gesellschaftskritik diskutiert und für die emanzipatorische Praxis erschlossen werden.