Was tritt hinzu? Wieso kritische Theorie (auch) über Sprache nachdenkt.

Vortrag mit Jan Müller am Freitag, den 22. Juli 2017, Allende-Platz 1, 20146 Hamburg, Raum 104, ab 19:00 Uhr.

Adornos Behauptung ist provozierend, dass „Philosophie, die nicht Sprachphilosophie ist, heute eigentlich gar nicht vorgestellt werden kann“. Sie klingt so, als müsse man erst einigermaßen akademisch und abstrakt, nämlich grundsätzlich und formal über Sprache nachdenken, bevor man sich überhaupt an eine kritische Theorie der Gesellschaft wagen dürfe.

Adornos Kritik am begrifflichen Denken, diese berüchtigte „Dialektik“ der Vernunft, legt so einen Verdacht nahe. Manchmal wird der Verdacht ausgeräumt, indem man seine Kritik so versteht: Begriffe legten sich wie ein Korsett über die Sachen, die sie zu begreifen behaupteten; tatsächlich schnitten sie durch ihren Fokus aber immer etwas von der Sache ab. „Kritik“, so meint man dann, bestünde darin, diesem „abgeschnittenen Rest“ wieder zu seinem Recht zu verhelfen – indem man darauf achtete, was als Erfahrung des Leidens zum Denken „hinzutritt“ oder was als „Nichtidentisches“ zum Beispiel in der Erfahrung von Kunst erscheine.

Der Vortrag will plausibel machen, dass die provozierende Zumutung, vor die uns Adorno stellt, ernster genommen werden sollte: Man kommt aus jenem „bürgerlichen Denken“ nicht so einfach heraus; es ist unser Denken. Das macht es zwar komplizierter zu sagen, wie man noch einen Fuß in die Tür der Kritik bekommen soll; man kann dann aber vielleicht auch verstehen, dass kritische Theorie der Gesellschaft nicht ein anderes Unternehmen ist als das Nachdenken über Sprache, sondern dies ein (sehr wichtiger) Anfangspunkt ist, um zu verstehen, wie besseres Leben überhaupt vorstellbar ist.

Jan Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Basel, hat in den letzten Jahren unterschiedliche Aufsätze („Begriffliches Sprechen. Zur sprachphilosophischen Grundkonstellation der frühen Kritischen Theorie“ oder „Drei Arten der ‚Grenze des Propositionalen’“) veröffentlicht, die eine sprachphilosophische Rekonstruktion kritischer Theorie leisten.

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